Rathaus Bensberg
Schon zu Beginn unseres Jahrtausends wird die Existenz des „alten Schlosses" bezeugt: Die Burg ist in einer Urkunde aus dem Jahr 1103 erwähnt. Nach ihrer Zerstörung wird die romanische Anlage im Jahre 1188 dann durch Engelbert von Berg wieder aufgebaut und gleichzeitig vergrößert.
Auch in den folgenden Jahrhunderten hat die Burg eine bewegte Geschichte. Das alte Gemäuer würde sicher - wenn es könnte - vieles erzählen über die zahlreichen Belagerungen aus der Zeit der Fehden. Manch ein Stein ist bei den vielen Zerstörungen abgetragen und später zum Wiederaufbau neu entdeckt worden.
Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts ist das Burgstädtchen zeitweise Mittelpunkt des Amtes Bensberg. Zur Jahrhundertwende wird die Burg unter Herzog Adolf I. sogar Waffenplatz des Herzogtums Berg. Später, bis ins 16. Jahrhundert, ist sie Domizil der herzoglichen Witwen. Daher auch der Spitzname „Witwensitz". Nach dem Zerfall baut Wilhelm IV, auch der Reiche genannt, Mitte des 16. Jahrhunderts die Burg wieder auf. Bis weit in das 17. Jahrhundert benutzt Herzog Friedrich Wilhelm die zum Teil wieder verfallene Burg als Jagdschloss. Sein Sohn, der spätere Kurfürst Johann Wilhelm II., will Anfang des 18. Jahrhunderts statt der alten Burg ein neues Jagdschloss errichten, doch weil er früh stirbt, kann er das neue Bensberger Schloss kaum nutzen, 1867 erfolgt der letzte große Umbau, als im alten Schloss das Krankenhaus eingerichtet wird.
Die ersten Schritte: Bensberg bekommt eine „Burg" für seine Bürger
Ende der 50er Jahre geht es in Bensberg zur Sache: Das neue und zweckmäßige Rathaus soll nicht länger Wunsch bleiben, sondern Realität werden. Dazu muss zuerst die Standortfrage geklärt werden. Ergebnis: Alle befragten Gutachter sprechen sich für das Gelände des alten Schlosses aus. Warum? Dieser Platz ist unter städtebaulichen Gesichtspunkten für diesen besonderen Zweck geeignet. Er ist Mittelpunkt der Stadt, liegt auf einer Anhöhe und hat historische Bedeutung durch die Reste der alten Burg. Gerade vor diesem Hintergrund ist das Projekt Rathaus eine eher „knifflige" Aufgabe: Es muss sich nicht nur in den Stadtkern mit dem alten und dem neuen Schloss, also in ein architektonisches Gesamtbild einfügen, sondern soll auch den Bedürfnissen der Benutzer, d. h. der Bürger und der dort Arbeitenden, entsprechen. Kurz und gut: Das Rathaus soll nicht nur schön sein, sondern auch wirtschaftlich und gesellschaftlich zur Weiterentwicklung der Stadt beitragen, es soll funktionstüchtig sein. Dieser Herausforderung stellen sich die Architekten im später ausgeschrieben Wettbewerb.
Der Wettbewerb: Das Böhmsche Modell besticht
Im April 1962 wird ein Ideenwettbewerb durchgeführt unter der Vorgabe, dass der neue Rathausbau auf dem Gelände des alten Schlosses errichtet wird und das historisch bedeutsame Baudenkmal integriert. Neues und Altes in einer baulichen Kombination sollen den Bogenschlagen von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft. Die Wahl fallt auf das Böhmsche Modell, da es gegen die Eintönigkeit des Baustils der 60er Jahre revoltiert.
Zusätzliche Erläuterungen: Bestandsaufnahme: Das Erbe der Geschichte
In einer sorgfältig erarbeiteten Bauaufnahme wird der gesamte Bestand des alten Schlosses untersucht und festgehalten.
Die Bauteile, die aus der Zeit vor dem Jahre 1850 stammen, werden in die Planung einbezogen: der aus dem 12. Jahrhundert stammende unregelmäßig fünfeckige Bergfried, die als Saalwand vorgesehene Außenmauer zwischen dem Bergfried und dem Engelbertsturm, der Gewölbekeller (heute ist dort ein Restaurant untergebracht) und die untere Zone des Engelberts- und des Michaelsturms (die früheren Burgportale) sowie die dazwischen liegende Bastion.
Soweit wie möglich sollen die ursprünglichen Materialien freigelegt, gesichert und aufgebessert werden.
Die alte Anlage ist als Ringburg errichtet worden.
Der Architekt nimmt die Grundlinien dieser alten Ringburg für den gesamten Komplex wieder auf.Neben den beiden größeren Türmen der alten Ringburg besteht noch ein weiterer kleinerer Turm. Zwischen diesem und dem größten Turm wird der Neubau des Rathauses im Verlauf der alten Burgmauer um den Hof des alten Schlosses herum errichtet. Derjenige, der den Schlosshof bzw. den Rathausvorplatz betreten will, muss den Eingang zwischen den beiden Türmen wählen. Der Rathaushof hat sein natürliches Gefalle nach Süden behalten. Im Hof dominiert der große Treppenturm, dessen Spitze sich in Betonformen auf löst. Als große Architekturplastik führt er das Spiel der alten Türme in seinem eigenen Charakter fort.
Am Fuße des Treppenturms liegt der Haupteingang zum Rathaus. Die Wand des neuen Ratssaales gehört zu den Resten des alten Ringwalls. In der unteren Hälfte ist sie l ,80 m breit, in der oberen Hälfte jedoch nur 0,90 m. Durch diese Vorgabe erhält der Ratssaal eine eingeschobene obere Galerie. Zum Innenhof ist der Ratssaal durch eine vom Boden bis zur Decke reichende Fensterfront begrenzt. Die übrigen eingefügten Wände sind in gestocktem Sichtbeton ausgeführt. Alte und neue Substanzen sind so zu einer Einheit verschmolzen. Die vorher vermauerten zwei- und dreibogigen Fenster aus dem frühen 13. Jahrhundert wurden freigelegt.
Die Außenhaut des Neubaus besteht aus 25 cm starken und 1,70 m hohen bearbeiteten Beton-Brüstungsbändern. In den 1,20 m hohen Fensterbändern liegen Aluminiumschiebefenster.
(Quelle: "Rathaus Bensberg", Broschüre, Presseabteilung Stadt Berg. Gladbach)
Dem in den 60er Jahren gehuldigten Ideal der Zweckmäßigkeit wird hier der Kontrapunkt des Reizvollen entgegengesetzt. Funktionstüchtiges und Künstlerisches wird in Harmonie gebracht. Der Rathausturm, an dem sich eine wellenförmige Fensterfront zur Spitze schlängelt, verlängert den Berg, auf dem der gesamte Komplex liegt. So wird das „Bürgerzentrum Rathaus" in den Mittelpunkt gehoben. Die neue Turmspitze ist zudem ein wirkungsvoller Kontrast zu den alten Burgtürmen: Mittelalterliche und neuzeitliche Architektur symbolisieren Selbstbehauptungswillen und Stärke in der jeweiligen Zeit „Geschichte sollte ablesbar bleiben, der Neubau als das letzte, wenn auch gewaltig dominierende Glied in der Kette der Jahrhunderte erscheinen."
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.1983, S. 25)
Zusätzliche Erläuterungen: Das Leben im Rathaus
Im neuen Rathaus ist bis in das Jahr 1974 die Stadtverwaltung der Stadt Bensberg untergebracht. Nach der kommunalen Neugliederung, die Anfang 1975 in Kraft tritt, wird die Stadtverwaltung der neuen Stadt Bergisch Gladbach auf die vorhandenen Rat- und Stadthäuser verteilt. Im Rathaus Bensberg befindet sich nun das technische Dezernat der Stadtverwaltung. Hier tagt auch der Rat und seine Ausschüsse.
Das alte Schloss ist im Mittelalter Zentrum der Besiedelung, und auch heute ist das Rathaus Bensberg immer noch eines der Zentren der neuen Stadt. Es ist Anlaufstelle für die Bürger, und hier werden die Ratsentscheidungen gefällt, die das Leben in der Stadt gestalten und bestimmen. Zudem bietet der Rathaussaal die geeignete Atmosphäre für zahlreiche kulturelle Veranstaltungen, insbesondere für Konzerte und Ausstellungen.(Quelle: "Rathaus Bensberg", Broschüre, Presseabteilung Stadt Berg. Gladbach)
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Quelle: http://www.ar.fh-koeln.de/ (Bilder urheberrechtlich geschützt)
weitere Bilder unter: http://www.lust-auf-bensberg.de/bensberg/burg/burg.htm Bauwerk: Rathaus Bensberg Bensberg, 51429 Bergisch Gladbach Architekt: Prof. Gottfried Böhm
Baujahr:
1964-1972Veröffentlichungen: Rathaus Bensberg, Broschüre, Presseabteilung Stadt Berg. Gladbach Fotos: W.Knop Quelle: Architekturführer Köln, FH Köln, Fachbereich Architektur
-> historische Informationen und weitere Bilder zur Burg Bensberg (Altes Schloß)
Weitere Bilder:
Diashow (Flashtm-Animation)
benötigt Macromedia Flashtm ab Version 4.0
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Stand: 04.10.2006