Neues Schloss Bensberg


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Historie

(Quelle: Hilger Müller, http://www.graf-von-berg.de/)

Als Johann Wolfgang Goethe 1774 auf einer Rheinreise nach Bensberg kommt, schreibt er mit großer Begeisterung in das Tagebuch seines Freundes Jakobi: »Schloß und Dorf Bensberg liegen auf einem hohen Berge, von dem man viele Meilen voll Wälder, Äcker und Heiden, in die Ferner eine Strecke des Rheines und die berühmten Sieben Berge sieht... Ich glaube, daß die Götter dann und wann auf einer silbernen Wolke so ihren Nektar trinken und die Hälfte der Erde übersehen«.

Wer in heutiger Zeit dem Bensberger Schloß einen Besuch abstattet und von der hohen Felsenterrasse seinen Blick ins Land schweifen läßt, wird eingefangen von Goethes Beschreibungen und verstehen, warum sich Johann Wilhelm II. zu Beginn des 18. Jahrhunderts für diesen Standort entschieden hat. 1690 wird er Kurfürst von der Pfalz und Herzog von Jülich und Berg. Während der 26jährigen Regentschaft des beliebten Herrschers, der von seinen Untertanen liebevoll Jan Weilern genannt wird, erlebt das gesellschaftlich-höfische Leben eine Hochblüte. Er ist in zweiter Ehe mit Anna Maria Luisa, Tochter des Großherzogs der Toskana aus dem Hause Medici, verheiratet. Da liegt es nahe, daß die Historiker auch in ihr die treibende Kraft für den Bau in Bensberg sehen, denn der reizvolle Blick über die hügelige Landschaft soll sie an die toskanische Heimat erinnern.

Wie die kölnischen Kurfürsten, die in Brühl und im Kottenforst der Jagdleidenschaft nachgehen, ist auch Jan Wellem ein begeisterter Jäger, der mit großem Gefolge durch den Königsforst zieht. Die alte Bensberger Burg, die ursprünglich auch als Jagdhaus dient, kann seinen Ansprüchen nach Selbstdarstellung und Repräsentanz kaum gerecht werden. Wegen seiner Vorliebe für Ludwig XIV. wird ihm nachgesagt, er wolle ein Schloß nach
dem Vorbild von Versailles errichten lassen. 1700 liefert ihm sein venezianischer Baumeister Matteo d'Alberti, der in Paris ein Jahrzehnt zugebracht hat, eine erste Zeichnung und ein Modell ab. Wie sich herausstellt, hat sich d'Alberti aber mehr von den Plänen des Architekten Fischer von Erlach inspirieren lassen, der 1696 mit dem Bau des Schlosses Schönbrunn in Wien für das österreichische Kaiserhaus begonnen hat.

Um 1703 ist Baubeginn auf der felsigen Terrasse, die durch starke Böschungsmauern noch verbreitert wird. Vor Ort werden eigens für den gewaltigen Bedarf an Baumaterial Ziegeleien errichtet. In Refrath erinnert der Name »Steinbreche« noch an einen Steinbruch, der zur Gewinnung von marmorähnlichem Kalkstein erschlossen wird. Eine strenge symmetrische Aufteilung bestimmt den nach Westen hin gerichteten Ursprungsbau, der in seiner Mittelachse genau auf den Kölner Dom gerichtet ist. Den Kern bildet ein dreieinhalb Geschosse hoher, dreiflügeliger Hauptbau mit zwei Seitenflügeln. In den Winkeln und auf der Front dieser Flügel entstehen Eckrisalite, die die Haupttreppenhäuser aufnehmen. Prächtige Haubendächer, mit einer Laterne bekrönt, betonen die feudale Architektur. Der Mittelbau wird zusätzlich durch eine große achteckige Laterne auf der Dachmitte und durch gestaffelt hervorspringende Mittelrisalite auf der Gartenseite hervorgehoben.

Den Hauptbau flankieren zwei weitere Seitentrakte, die um ein Geschoß niedriger erbaut, nach Süden und Norden ausrücken. Zwei langgezogene Wachhäuser mit Flachdächern, die die weit ausgestreckten Arme der Seitenflügel flankierend fortsetzen, bilden nach vorne hin den architektonischen Abschluß. Sie werden im 19. Jahrhundert abgerissen und um ein Geschoß erhöht mit Satteldächern neu errichtet. Die Fassaden des Schlosses sind bei seiner Fertigstellung schneeweiß geschlämmt mit reicher Hausteingliederung, die, mit Ölfarben bemalt, wertvollen Marmor nachahmen sollen. Der Besucher, der sich über den weiträumigen »Cour d'honneur«, den Ehrenhof, hinweg zum Schloß wendet, blickt auf weitläufige Loggien an den Erdgeschossen, von Rundbögen eingefaßt und auf Altane, das sind vom Erdboden aus gestützte breite Balkone. Auch die Rückseiten des Schlosses sind reich gegliedert. Auf der Gartenseite treten flache Säulen aus der Wand hervor. Abwechselnd runde, dreieckige oder segmentierte Überdachungen tragend, umrahmen sie die zahlreichen Fenster. Die Geschosse werden zusätzlich durch die horizontal rundum verlaufenden Konsolbänder betont.

So prächtig wie die Außengestaltung der Gebäude vollzieht sich auch die Ausstattung im Inneren. Der Kurfürst engagiert die besten zeitgenössischen Künstler und Baumeister. Unter den auserwählten Meistern wie Pellegrini, Zanetti und Bellucci entstehen reich geschmückte Räume, Decken und Treppenhäuser. In jahrelanger Arbeit entfalten Stukkateure, Bildhauer und Maler im Inneren mit zahlreichen Fresken, Gemälden und Figuren die Pracht eines hochherrschaftlichen Jagdschlosses.

Trotz der grandiosen Bauzeit von nur 16 Jahren für die wichtigsten Bauabschnitte erlebt Jan Weilern die Fertigstellung seines Prachtschlosses nicht mehr. Seine Nachfolger, die Kurfürsten Karl Philipp (1716-1742) und Karl Theodor von der Pfalz (1742-1799), die nicht mehr in Düsseldorf, sondern in der Pfalz residieren, zeigen kein Interesse an dem noblen Bau. Lediglich hin und wieder lassen sie sich zu einer Jagd in Bensberg blicken. Schon 25 Jahre nach Fertigstellung des Schlosses beginnt auch sein Niedergang. Die kostbare Innenausstattung wird an die Höfe nach Düsseldorf und München verteilt, und als gegen Ende des Jahrhunderts die französische Besatzung kommt, zeichnet sich der Verfall des Hauses ab.

Nach 1792 ist die Anlage nach einigen Umbaumaßnahmen, die dem Charakter des Schlosses starke Schäden zufügen, wechselweise Militärlazarett und Sitz für den französischen Besatzungsgeneral Bastoul. Nach dem Übergang an Preußen bleibt Schloß Bensberg noch bis 1840 Lazarett und wird danach bis 1918 zum Sitz einer preußischen Kadettenanstalt. Um sie spartanisch und militärgerecht auszustatten, erfolgen erneut von 1838 bis 1842 Umbauten. Dabei werden die Reste der noch erhaltenen Innenausstattung ohne Rücksicht auf den Kunstwert und die historische Bedeutung des Hauses fast gänzlich zerstört. Stuck und Gemälde werden entfernt und grob übertüncht. Die Pracht, die Goethe im Juli 1774 noch auf einem Besuch des Schlosses erleben darf, ist damit ausgelöscht. Dornenico Zanettis »Sturz der Titanen«, das Deckengemälde im südlichen Treppenhaus, ein paar Stuckdecken und etwas Türschmuck haben allein die Zeiten überdauert. Zu den wenigen aus dem Hause geretteten Kunstwerten gehören ein Bildzyklus des Malers Jan Weenix mit Jagdszenen, heute in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung zu besichtigen, und Seidentapeten und Gemälde, die ins Schloß Brühl abwandern.

Der Niedergang des Jagdschlosses setzt sich nach dem Ersten Weltkrieg fort. Als Besatzungskaserne, Unterkunft für Obdachlose, während des Dritten Reiches für die Nationalsozialisten hergerichtet und immer wieder von Umbauten zerstört, fristet die Anlage ein trauriges Dasein. Seit 1945, dem Ende des Zweiten Weltkrieges, beherbergt das Schloß belgische Militäreinrichtungen und eine Schule für die Kinder der Streitkräfte. 

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(Stand: 29.06.04)