Akademie, Priesterseminar, Lazarett, Altenheim, katholische Bildungsstätte

Die wechselvolle Geschichte des Kardinal Schulte-Hauses

„Priesterseminar in Flammen! Panik! Toter!", titelte der Kölner „Express", „Altenheim in Bensberg völlig ausgebrannt" befand die „Kölnische Rundschau", ein „Großfeuer in der Akademie" entdeckte die „Bergische Landeszeitung". Die heimischen Zeitungen vom 22. Februar 1980 sind nicht nur Beleg für unterschiedliche journalistische Arbeits- und Ausdrucksweisen, sondern auch für die Verwirrung der Begriffe, wenn es um das Kardinal-Schulte-Haus geht.

GrundsteinlegungZum Zeitpunkt des Brandes 1980 wurde das Haus als Altenheim genutzt und war gleichzeitig Sitz und Tagungsstätte der Thomas-Morus-Akademie. Eine recht wechselhafte Nutzung kennzeichnet die Geschichte des Kardinal-Schulte-Haus bis zum „schwarzen Donnerstag" am 21. Februar 1980.

Das Haus sollte, das war Wunsch und Plan von Kardinal Schulte zu Beginn der 20er Jahre, den Seminaristen in Köln eine neue Heimstatt bieten. 1924 wurde ein Architeketenwettbewerb ausgeschrieben, und schon im Frühjahr 1926 mit den Bauarbeiten begonnen. In drei Jahren entstand ein imposanter Bau, rund 30 Meter über der Landstraße gelegen, mit etwa 4.000 Quadratmetern bebauter Fläche. Zu den fertiggestellten Räumen gehören Kapelle, Sakristei, Paramentenkammer, Bibliothek, Lesesaal, Vorstandszimmer, Refektorium, Besuchs- und Sprechzimmer, 190 Alumnenzimmer, aber auch Musikzimmer, Krankenzimmer, Turnhalle, Billardzimmer, Badeanlage, Bäckerei u.v.m.


                                Grundsteinlegung 1929

Luftbild Kardinal-Schulte-HausVon der feierlichen Einweihung im Jahre 1929 an blieben dem Priesterseminar jedoch nur zehn Jahre ungestörten Wirkens im Haus an der Overather Straße. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wechselten die Seminaristen nach Altenberg, kehrten 1941 für kurze Zeit zurück, bevor die Gestapo am 14. Mai 1941 das Gebäude beschlagnahmte. Von Kriegsbeginn an dienten große Teile des Kardinal-Schulte-Hauses als Lazarett, zunächst den Deutschen, dann den Amerikanern, darauf den Engländern und schließlich den Belgiern. Im April 1948 kann das Priesterseminar wieder in Bensberg einziehen, wo es bis zum Umzug in den Neubau nach Köln (1958) seine alte und neue Heimat findet. Die angehenden Priester müssen sich das Haus aber mit einem Notkrankenhaus und später mit einem Alten- und Pflegeheim teilen. Ab 1959 gibt es schließlich die Doppelnutzung durch das Altenpflegeheim und die Thomas-Morus-Akademie bis 1980.

Der Neuaufbau nach dem Brand ging dann auch mit einer Veränderung des Nutzungskonzepts einher. Die Verbindung von Altenheim und Bildungsstätte wurde gelöst. Getrennt wurde auch die organisatorische Einheit von Tagungsstätte und Thomas-Morus-Akademie. Das „Kardinal-Schulte-Haus" dient dem Erzbistum Köln nun als Tagungszentrum. 44 Einzelzimmer, 109 Doppelzimmer und ein Vierbettzimmer stehen den Tagungsgästen zur Verfügung. Die alte Kapelle wurde in einen Hörsaal verwandelt, und im Innenhof wurde 1987 die Edith-Stein-Kapelle erbaut. Die Thomas-Morus-Akademie ist Mieter im Haus: Für ihre Tagungen, die zu einem großen Teil hier stattfinden, mietet sie die entsprechenden Tagungs- und Unterkunftsräume. Dauerhaft gemietet hat sie zudem ihre Büroräume.

Rückseite

 

Am Rande einer Katastrophe

Der Tag, an dem die Akademie brannte

„Flammenmeer", „Großfeuer", „Brandkatastrophe" - solche Worte dominieren am 22. Februar 1980 die Lokalteile der Gladbacher Presse. Sie berichten vom schwärzesten und folgenreichsten Tag in der Akademiegeschichte.

Der 21. Februar 1980 ist ein klarer Tag. Im Kardinal-Schulte-Haus, zu einem Teil als Altenheim, zum anderen als Akademie genutzt, geht an diesem Donnerstag zunächst alles seinen geregelten Gang. In der Akademie läuft ein „Primanerforum" zum Thema „Stark wie der Tod. Liebe und Tod im Film". Akademiedirektor Hermann Boventer hat sich, um konzentriert arbeiten zu können, in sein Haus zurückgezogen, das etwa 200 Meter von der Akademie entfernt ist. Prälat Joseph Steinberg, der geistliche Leiter der Akademie, arbeitet in seinem Studierzimmer.

VorderansichtKurz vor 15 Uhr erreicht eine Angestellte des Altenpflegeheimes den Speicher der Südseite des Kardinal-Schulte-Hauses, um hier Wäsche aufzuhängen. Doch schon beim Öffnen der Speichertür bemerkt die junge Portugiesin einen Brandgeruch und gibt sofort Alarm. Die automatische Warnanlage hatte sich noch nicht gemeldet.

Gegen 15 Uhr sind dann die ersten Feuerwehren aus Bergisch Gladbach und Bensberg da. Zunächst sieht es so aus, als könne das inzwischen offen sichtbare Feuer im Dachgeschoß schnell unter Kontrolle gebracht werden. Doch die mit Schieferplatten gedeckte Holzkonstruktion brennt „wie Zunder". Zusätzliche Feuerwehr-Kräfte aus Köln werden angefordert. Schließlich sind sechs Loschzüge mit rund 60 Mann im Einsatz. Am Tag danach sollte der Kölner Stadt-Anzeiger den Einsatzleiter Werner Schütze zitieren, das Kardinal-Schulte-Haus sei für ihn als Brandexperten immer schon „ein Alptraum" gewesen.

Nach dem Eintreffen der Feuerwehr wird mit der Evakuierung des Gebäudes begonnen. Rund 150 Personen, davon ein Großteil pflegebedürftige Altenheimbewohner, verlassen das Gebäude. Die Teilnehmer des Primanerforums, die den Brandalaram zunächst nicht ernstgenommen hatten, helfen dabei, die alten Menschen zum Teil auf Stühlen, in Betten, auf Tragen in Sicherheit zu bringen. Nach einer etwa einstündigen Wartezeit auf der Wiese vor dem Haus werden die Heimbewohner schließlich in Rettungsbussen auf umliegende Krankenhäuser verteilt.

 

Vorderansicht

Die Löscharbeiten gestalten sich schwierig. Stärkere Wasseranschlüsse müssen erst vom Krankenhaus oberhalb der Akademie und von der Bundesstraße unterhalb der Akademie zum Brandort verlegt werden. Eine Rauchsäule von rund 70 Meter Höhe kündet weithin von dem Großbrand. Gegen 20 Uhr gelingt es der Feuerwehr jedoch, den Brand zu löschen. Während die Bewohner und Angestellten unverletzt blieben, endet der Einsatz für zwei Angehörige der Gladbacher Berufsfeuerwehr tödlich: Der 28jährige Peter Weiyand und sein 22jähriger Kollege Ulrich Höfer werden Opfer einer Verpuffung bei der Brandbekämpfung „vor Ort" im Speicher über der Kapelle. Drei weitere Wehrmänner müssen mit Verletzungen bzw. Rauchvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Am Tag nach dem Brand wird das Ausmaß der Schäden am Gebäude ersichtlich: Zwei Drittel des Daches sind völlig zerstört, viele Räume durch das Löschwasser unbenutzbar geworden. Das Sekretariat der Akademie wird noch einige Jahre von hier aus die Arbeit organisieren. Für die Tagungen und Seminare aber beginnt die Zeit des „Exils" in anderen Tagungshäusern im ganzen Erzbistum.

Quelle: TMA, Bilder: M. Morsches, Archiv Kath. Grundschule Bensberg 

 

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Stand: 30.06.2004